Der “stream of things”
Bei Facebook gibt es seit Neuestem die Chronik, in der alle Ereignisse, die ein Benutzer seit seiner Geburt eingetragen hat, auf einem säuberlich-übersichtlichen Zeitstrahl abgetragen werden. Im Grunde genommen ist das nur eine konsequente Erweiterung der Funktion, die die jeweils neuesten Bilder, die man online gestellt hat, oben in einer Leiste darstellt. Dies ist bei Facebook schon seit mehr als einem Jahr möglich. Diese Funktion wiederum war eine facebookgemäße Umsetzung eines Konzeptes, das es auf Fotoseiten wie Flickr schon seit langem gibt. Flickr wirbt zur Zeit auf seiner Startseite mit dem Slogan “Erzählen Sie Ihr Leben in Fotos”. Der Imagestream, der als technische Umsetzung dieses Versprechens dort schon seit längerem implementiert ist, sieht die Fotos, die man online stellt, ebenfalls als eine Art Strom an, der sich ständig wandelt. Auch Blogs und Onlinetagebücher verfolgen einen ähnlichen Gedanken: das Leben verändert sich, also müssen sich auch die Medien ständig verändern, die Teil und Träger des Lebens sind. Sicherlich ließen sich noch weitere Beispiele finden.
Auch wenn das Internet diese Konzepte in den letzten Jahren mehr und mehr umsetzt, sind deren Grundgedanken nicht neu. Schon vor mehr als achtzig Jahren (weiterlesen …)
Gene Gendlins Gedanke, dass die innere Welt (Gedanken, Gefühle, …) und die äußere Welt (Dinge, Gegenstände) sich erst dadurch voneinander trennen, dass wir als Menschen Muster von Material zu Material übertragen. Dafür braucht es einen “leeren Raum”, den wir außen lokalisieren und den wir mit Mustern füllen können – den ganzen Rest, Gedanken, Gefühle, Bedürfnisse usw. packen wir “nach innen”.
Gene Gendlin – Implizites Verstehen – Implicit Understanding
Ich denke in diesem Video über einen Artikel von Gene Gendlin nach. Zentral ist der Gedanke, dass es einen Unterschied zwischen implizitem und explizitem Verstehen gibt. Beim expliziten Verstehen sind die Konzepte, die wir denken, getrennt von uns. Sie funktionieren mechanisch-logisch, wie bei einem Uhrwerk.
Buddhismus und Quantenphysik
>>Tatächlich gibt es nur eine vollständige, ungeteilte, ganze Welt und nichts anderes. Nur unsere gedanklichen Überlegungen haben uns dazu geführt, daß wir von der Geist-Welt sprechen, wie wenn sie eine realere Welt wäre als die Welt der Sinne, oder umgekehrt von der Welt der Sinne, als wäre sie wirklicher als die Geist-Welt. Aber die Trennung ist eine Erfindung unseres Denkens; was gar nicht geteilt werden kann, wird geteilt, wie wenn es teilbar wäre, und sobald geteilt ist, glaubt der eine Teil so real zu sein wie das unteilbare Ganze. [...] Und so lange wir Menschen sind und (weiterlesen …)
Vorsätze fürs neue Jahr
Eine Mitarbeiterin der Vaihinger Kreiszeitung hat mich um ein kleines Interview für die Jugendseite zum Thema “Vorsätze” gebeten. Das Interview kann hier heruntergeladen und nachgelesen werden.
Grenzen der Erkenntnis? (Zitat)
“Bei der Beurteilung von Ideen darf man nicht vergessen, dass das Beharren auf Nüchternheit und Klarheit der Sentimentalität entspringt und die verwirrende Vielschichtigkeit der Tatsachen vernebelt. Das Beharren auf Klarheit um jeden Preis beruht auf einer abergläubischen Vorstellung davon, wie menschliche Intelligenz funktioniert. Unser Denken greift nach rettenden Strohhalmen, die wir Prämissen nennen, und hängt an seidenen Fäden, die wir Schlussfolgerungen nennen.”
A.N. Whitehead
Was verloren ging und was uns bleibt
”Auf der Straße spielen Kinder, die einige meiner schwierigsten physikalischen Probleme lösen könnten, weil sie über Formen der Sinneswahrnehmung verfügen, die ich schon lange verloren habe.”
J. Robert Oppenheimer, Vater der Atombombe
Mir scheint, die alten Griechen wussten einerseits mehr als wir. Andererseits auch nicht. Sie konnten z.B. keine Atombomben bauen, hatten kein physikalisches Verständnis, so wie wir heute. Ihr Faktenwissen über die Welt war um ein Vielfaches geringer als das Unsrige. Und dennoch war ihr Denken mannigfaltiger.
So nahmen die Vorsokratiker an, dass nicht Gründe die Ordnung der Welt beeinflussen, sondern der Natur immanente Kräfte. Sie stritten sich darum, welcher Stoff die Hauptkraft war, die alles bestimmte. Thales sagte beispielsweise, dies sei das Wasser. Anaximenes sagte: die Luft. Heraklit meinte, das Feuer sei am wichtigsten.
Platon hingegen (weiterlesen …)
Marshall McLuhan II
Emergenz = Carrying Forward ?
Emergenz ist die spontane Herausbildung von neuen Eigenschaften oder Strukturen auf der Makroebene eines Systems infolge des Zusammenspiels seiner Elemente. Dabei lassen sich die emergenten Eigenschaften des Systems nicht – oder jedenfalls nicht offensichtlich – auf Eigenschaften der Elemente zurückführen, die diese isoliert aufweisen. So wird in der Philosophie des Geistes von einigen Philosophen vertreten, dass Bewusstsein eine emergente Eigenschaft des Gehirns sei. [Quelle: wikipedia]
Carrying forward: Implicit meanings are incomplete. Symbolic completion–or carrying forward–is a bodily felt process. There is an interacting, not an equation, between implicit meaning and symbols. [...] Thus, to explicate is to carry forward a bodily felt process. Implicit meanings are incomplete. They are not hidden conceptual units. They are not the same in nature as explicitly known meanings. There is no equation possible between implicit meanings and “their” explicit symbolization. (weiterlesen …)
TV – Tipp: Marshall McLuhan
Marshall McLuhan bei Scobel (3sat) – sehr empfehlenswert!
Der Medientheoretiker beschrieb in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts bereits sehr genau, was wir heute mit Facebook & Co erleben. Von ihm stammt die Metapher des “globalen Dorfes”. Eines seiner wichtigsten Bücher heißt “Das Medium ist die Massage: Ein Inventar medialer Effekte“. Eigentlich “Das Medium ist die Message”, aber er fand den Druckfehler gut und ließ ihn stehen.
Der Grundgedanke darin: die Benutzung von Medien selbst verändert uns mehr als das, was uns darin als Inhalt vermittelt wird.
Ein Beispiel: die Schrift brachte uns bei, seriell zu denken, d.h. lückenlos zu argumentieren. Bevor die Schrift erfunden wurde, war das nicht so wichtig. Eine logische Argumentation ist aufgrund der Schriftlichkeit (weiterlesen …)
Ich weiß, dass ich nicht viel weiß
Ich muss zugeben, philosophisch betrachtet bin ich ein Skeptiker. Sokrates ist mir zum Beispiel wesentlich sympathischer als Platon und Aristoteles. Sokrates sagte einfach: “Ich weiß, dass ich nicht weiß” und fragte seine Mitmenschen danach, was sie denn wüssten. Dabei brachte er mit seiner Fragerei die Leute auf die Palme. Denn letztlich stellte er die Fragen so geschickt, dass er sein Gegenüber immer mehr in die Enge trieb. Wenn er etwa fragte “Was ist Gerechtigkeit?”, dann antworteten seine Mitmenschen mit Beispielen, versuchten Definitionen und so weiter. Sokrates fragte jedoch immer weiter seine “Was ist…”-Fragen, die sich dann eben auf die Definitionen bezogen – und irgendwann war der, der antworten sollte, sprachlos.
Das Ganze ist ein bisschen wie bei Kindern, die ihre Eltern fragen: “Warum ist der Himmel blau?” -”Das ist, weil sich das Licht in der Luft bricht.” – “Was heißt brechen?” – “Da sind kleine Wassertröpfchen (weiterlesen …)
Embodiment gab es schon in der Antike
Folgender Text ist mehr als zweitausend Jahre alt:
Erstlich behaupt ich, der Geist [animus], wir nennen ihn öfter auch Verstand, in dem unseres Lebens Beratung und Leitung den Sitz hat, ist nur ein Teil von dem Menschen, so gut wie die Hand und der Fuß ist oder auch das Auge ein Teil des ganzen lebendigen Wesens.[...]
Nicht nur der Geist, auch die Seele weilt in den Gliedern, [...] Geist und Seele [anima] (behaupt ich nun weiter) sind innig verbunden untereinander und bilden aus sich nur ein einziges Wesen. Doch ist von beiden der Herrscher und gleichsam das Haupt in dem ganzen Körper die denkende Kraft, die Geist und Verstand wir benennen, und die nur in der Mitte der Brust den beständigen Sitz hat.[...]
Über den ganzen Körper jedoch ist die übrige Seele ausgebreitet. (weiterlesen …)
Zwei Zitate
“He that breaks a thing to find out what it is has left the path of wisdom.”
J.R.R. Tolkien,
The Fellowship of the Ring
[Mephistopheles ]
“Wer will was Lebendigs erkennen und beschreiben,
Sucht erst den Geist heraus zu treiben,
Dann hat er die Teile in seiner Hand,
Fehlt, leider! nur das geistige Band.”
J. W. v. Goethe,
Faust
Grenzen der Logik
Sind philosophische Fragestellungen wirklich Scheinfragen, wie die Sprachphilosophie behauptet?
Das grundlegend Neue in der modernen Sprachphilosophie ist die Idee, dass die existentiellen Fragen nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest, die Fragen also, was beispielsweise ein sinnvolles Leben ausmacht, Scheinfragen sein könnten.
Während Klassiker wie Aristoteles, Platon oder Sokrates noch versuchten, auf die ein oder andere Art eine Antwort auf diese Fragen zu finden (und selbst wenn das bedeutete, dass die Antwort lautete, dass keine Antwort gefunden werden könne, wie im Fall von Sokrates), so stellen modernere Philosophen die ganze Fragerei selbst in Frage. So sagte etwa Rudolf Carnap Anfang des 20. Jahrhunderts, dass unsere Sprache, mit deren Hilfe wir die Fragen stellen, einfach nicht logisch sei. Das sei der eigentliche Grund dafür, dass sich in der Philosophie bestimmte Scheinprobleme ergäben, die dann viel Diskussion nach sich zögen. Das eigentliche Problem läge (weiterlesen …)
Das Leben ist eine Einbahnstraße
Der Philosoph Immanuel Kant war ja ein seltsamer Kauz. Zumindest würden wir ihn heute wohl als einen solchen bezeichnen. Er lebte alleine in seiner Wohnung, heiratete nie und tat sein Leben lang nichts anderes als zu Lesen, Nachzudenken und Bücher zu schreiben. Er hatte folglich auch keine Kinder, die Lehre an der Universität nervte ihn und er hatte nicht einmal Interesse daran, Königsberg, die Stadt, in der er lebte, zu verlassen. Dabei hätte er durchaus viele Chancen gehabt. Nicht nur (wie ich mal annehme) bei den Frauen – Kant hätte auch so richtig Karriere machen können. Große Universitäten der damaligen Zeit wie Jena oder Halle hätten ihn gerne bei sich gesehen, aber er wollte nicht. Es scheint so, als ob er viele der Lebensmöglichkeiten, die sich ihm, dem gefeierten Philosophie-Popstar des 18. Jahrhunderts, geboten hätten, ausschlug.
Interessanterweise hat er jedoch viel über dieses Thema nachgedacht. Sein Denken kreist in dem ein oder anderen Buch durchaus um die Frage, (weiterlesen …)


